
6. Hybrider Branchentalk: Der Wiener Werbeschmäh ist ein Lebensgefühl
Unter dem Motto „Wiener Werbeschmäh reloaded – Was gibt’s Neues!?“ lud die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der WK Wien ein.

Unter dem Motto „Wiener Werbeschmäh reloaded – Was gibt’s Neues!?“ lud die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der WK Wien zum 6. Hybriden Branchentalk. Nach der ersten Runde zu diesem Thema im vorigen Sommer fand auch die diesjährige Veranstaltung wieder im Apothekertrakt im Schloss Schönbrunn statt.
„Die Erfinder des Wiener Werbeschmähs waren die Habsburger mit den k.u.k. Hoflieferanten, das erste Produkt- und Qualitätssiegel in der Unternehmenskommunikation. Es ist so erfolgreich, dass es auch heute noch 20 k.u.k. Hoflieferanten gibt, obwohl gar kein Hof mehr existiert, an den sie liefern können.“ Mit Charme und Schmäh begrüßte Florian Felder, Prokurist der Schönbrunn Group, die Gäste, die trotz nahezu tropischer Temperaturen und EM-Halbfinale zahlreich in den Apothekertrakt geströmt waren.

v.l. Mario Kupcevsky, reach Guys, Denise Pavlik, JUHUU Factory, Astrid Steharnig-Staudinger, Österreich Werbung, Maximilian Heske, reach Guys, Sigrid Neureiter-Lackner, Fachgruppe Werbung Wien, Robert Judtmann, UniqueFessler.
Sigrid Neureiter-Lackner, Initiatorin dieser Netzwerk-Reihe der Fachgruppe Werbung Wien, hatte zum zweiten Teil des Branchentalks „Wiener Werbeschmäh“ wieder hochkarätige Branchenprofis eingeladen, die das Thema anhand witziger und nachdenklich machender Beispiele gemeinsam mit dem Publikum diskutierten.
„Wiener Packerl“ als Stummfilm mit Sisi & Franz
Denise Pavlik, geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur JUHUU Factory:
Wir nutzen den Schmäh rund um Sisi & Franz in unseren Spots, um das Wiener Packerl zu inszenieren und zugleich einen ungewöhnlichen Zugang zu schaffen. Das wirkt sympathisch und zaubert automatisch ein Lächeln ins Gesicht.“
Das „Wiener Packerl“ ist eine Geschenksidee, entstanden aus den handgezeichneten Vorlagen für Maschen aus Gold, Silber und Edelsteinen aus einer k.u.k. Modellwerkstatt, die schon Kaiserin Sisi und den Adel begeisterten und jetzt wieder gefunden wurden. Diese Vorlagen wurden von Pauls Goldschmiede zu neuem Leben erweckt und zieren nun das „Wiener Packerl“, welches vom Anhänger für eine Halskette bis hin zum Christbaumschmuck einsetzbar ist. Die Spots funktionieren ohne gesprochenes Wort, der Wiener Werbeschmäh ist also keineswegs auf Dialekt beschränkt.
„Mistkübler“ als authentische, sympathische Werbeträger
Das sieht auch Robert Judtmann, Geschäftsführer der UniqueFessler Werbeagentur, so. Denn in seinen mehrfach ausgezeichneten Kampagnen für die MA 48 kommen schon lange keine Dialektausdrücke mehr vor. Dennoch gelten die Sujets rund um die „Mistkübler“ als der Inbegriff des Wiener Werbeschmähs.
Die Kampagne funktioniert, weil die Mistkübler so sympathisch sind. Wären sie es nicht, wäre auch die Kampagne nicht glaubwürdig“, ist Robert Judtmann überzeugt.
So schaffen die Werbesujets einen insgesamt bewussteren Umgang mit Müll in der Bundeshauptstadt. Mit der subtilen Aufforderung „Trenn di von schlechten Ausreden“ wird beispielsweise die Bereitschaft zur Mülltrennung gefördert. Beinahe schon legendär ist das „Gackerlsackerl“ zur Entfernung von Hundekot.
Vertical Offensive und „Spritzschein“
Dass der Schmäh nur mit glaubwürdigen, authentischen Menschen und Institutionen funktioniert, beweist die mit dem „Hidden Champions Award“ von Fachgruppe Werbung Wien und Medianet ausgezeichnete Vertical Offensive der reach Guys. Damit haben die Geschäftsführer Maximilian Heske und Mario Kupcevsky gemeinsam mit Admiral Sportwetten erreicht, dass die Fußballer der österreichischen Bundesliga die besten Spielszenen auf Social Media veröffentlichen dürfen und damit zugleich als Corporate Influencer agieren – was zuvor aus rechtlichen Gründen nicht möglich war.
Doch bereits mit dem Sujet „Her mit dem Spritzschein“, Sieger des Kreativwettbewerbes der Fachgruppe, bewiesen die ursprünglich aus Deutschland stammenden reach Guys, dass man nicht in Wien geboren sein muss, um den Wiener Werbeschmäh authentisch umsetzen zu können. Basierend auf dem legendären Spruch von Altbürgermeister Michael Häupl punktete diese Kampagne in der polarisierenden Impfdebatte mit Sympathie und Augenzwinkern.
Von Influencer:innen und AUTfluencer:innen
Als Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der Österreich-Werbung, diese Funktion vor gut einem Jahr übernommen hat, war sie überzeugt: Die Werbung für und über Österreich muss neben den typischen Landschaftsbildern noch etwas anderes transportieren, das auch die jüngere Zielgruppe anspricht und die Vielfalt Österreichs in Szene setzt. Der Begriff „Lebensgefühl“ steht als Motto über dieser Kampagne und wird nicht übersetzt.
Umsetzungsbeispiele sind humorvolle TikTok-Videos mit der dreijährigen Charlotte, Österreichs jüngster Skilehrerin, und Honey, einer Tiroler Seniorin, die mit viel Schmäh erklärt, worauf es im Gebirge ankommt.
Diese Spots sind reichweitenmäßig durch die Decke gegangen“, berichtete Astrid Steharnig-Staudinger.
Weiters höchst erfolgreich erweist sich die AUTfluencer-Kampagne. Dabei werden die Social Media-Accounts von Influencer:innen ein paar Tage lang von ausgewählten Vertreter:innen übernommen. Auch das kommt extrem gut an und hat zudem einen sozialen Effekt, denn auch Influencer:innen benötigen einmal eine Auszeit.
Die Beispiele zeigen, welch großes Potenzial im Wiener Werbeschmäh steckt. Wir haben unterschiedlichste Kampagnen gesehen. Solange diese Kreativität bestehen bleibt und echte, glaubwürdige Menschen bei der Umsetzung eine Rolle spielen, wird auch der Wiener Werbeschmäh weiterleben und sich weiterentwickeln“, so das Resümee von Fachgruppenobmann Jürgen Bauer.
Networking bei Wiener Würstl und Spritzwein
Nach dem Hybriden Branchentalk nutzten die Vor-Ort-Gäste die von Weinreben umrankte Terrasse des Apothekertrakts bei kühlen Getränken und heißen Würstl zum Netzwerken. Der nächste Hybride Branchentalk findet am Dienstag, 8. Oktober 2024, zum Thema „Good Vibes – Werber:innen machen Stimmung?!“ statt.
HIER geht’s zur Aufzeichnung des Live-Streams
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