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Nachbericht: Hybrider Branchentalk Redeverbot versus Werbeverbot
Nachbericht: Hybrider Branchentalk Redeverbot versus Werbeverbot
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Nachbericht: Hybrider Branchentalk Redeverbot versus Werbeverbot

Aufklärung, Dialog und mündige Bürger statt mehr Werbeverbote   Sind Werbeverbote gerechtfertigt oder handelt es sich hier um Überregulierung? Welche Auswirkungen […]

Aufklärung, Dialog und mündige Bürger statt mehr Werbeverbote  

Sind Werbeverbote gerechtfertigt oder handelt es sich hier um Überregulierung? Welche Auswirkungen hat dies auf die Werbebranche und wie gehen wir damit um? Unter dem Motto „Redeverbot versus Werbeverbot – wohin führt das?!“ lud die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien zum 5. Hybriden Branchentalk in die MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. 

Mit 900 Studierenden aus 60 Ländern bildet die Bildungsstätte im 1. Wiener Bezirk eine international gefragte Talentschmiede für den künstlerischen Nachwuchs. Dieser symbolträchtige Ort wurde mit Bedacht für die Diskussion über ein besonders brisantes Thema gewählt

„Wir sind hier in einer Kunstuniversität, die sich permanent mit Weltoffenheit beschäftigt. Die Redefreiheit ist eines der ganz großen Güter, die in Europa hochgehalten werden müssen“, so der Rektor der MUK, Andreas Mailath-Pokorny, in seiner Begrüßung. 

Dass es sich lohnt, auch für die Freiheit der Werbung einzutreten und auf Dialog und Information statt auf (noch mehr) Verbote zu setzen, darüber waren sich die Expertinnen und Experten am Podium einig. Unter der Leitung von Sigrid Neureiter-Lackner, Fachgruppe Werbung Wien und Initiatorin der Veranstaltungsreihe, diskutierten

„Wir brauchen Werbung, wir wollen auch gute Werbung machen und wir leben aktuell in den ehrlichsten Werbezeiten, die es je gab. Denn de facto reguliert es der Shitstorm, wenn etwas behauptet wird, das nicht stimmt“, so Jürgen Bauer, der sich klar gegen weitere Werbeverbote aussprach. 

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v.l.: Ralf-Wolfgang Lothert, JTI Austria, Eugen Lamprecht, Schlumberger, Fachgruppenobmann Jürgen Bauer, Moderatorin Sigrid Neureiter-Lackner, Saskia Wallner, Ketchum Austria, Martina Stranzinger-Maier, PHH Rechtsanwält:innen, Rektor Andreas Mailath-Pokorny, MUK Wien 

Klare Regelungen durch das UWG

Zudem verwies er auf das UWG, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.  Dieses regelt bereits sehr vieles, wie Martina Stranzinger-Maier von PHH Rechtsanwält:innen ausführte. „Es gilt, Spielregeln einzuhalten, insbesondere, den Konsumenten nicht durch falsche Behauptungen irrezuführen. Dieses System funktioniert und es ist daher nicht notwendig, weitere Werbeverbote einzuführen“, so die Expertin.

Aktuell am meisten betroffen von Werbeverboten sind Alkohol und Tabak. Für Eugen Lamprecht, CSO des ältesten Sekterzeugers Österreichs und zugleich Geschäftsführer der Spirituosen-Vertriebstochter Top Spirit, bewegen sich die aktuellen Einschränkungen für seine Produkte noch im Rahmen. Er verweist auf die Initiative verantwortungsvoll.at, ein freiwilliger Zusammenschluss der Getränkeindustrie. Deren Ziel ist es, die Konsument:innen für einen maßvollen Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren. 

Auf die mündigen Bürger:innen zu setzen, dafür plädiert Ralf-Wolfgang Lothert. Sein Unternehmen, die Austria Tabak, gehört seit 25 Jahren zu Japan Tobacco International und feiert heuer das 240-jährige Bestehen. Mit rund 500 Mitarbeitenden und einer jährlichen Steuerleistung inklusive MwSt. von 2,7 Mrd. € ist das Unternehmen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. 

Ein Werbeverbot kommt selten allein
„Das Problematische an Werbeverboten ist, dass, einmal damit begonnen, immer etwas Neues hinzukommt. Die Regulierungen betreffen auch das Produkt selbst, weitere Steuern kommen meist noch hinzu. Das ist eine Melange, die grundsätzlich nicht gut ist“, warnt der Experte und nennt stattdessen das gesetzlich festgelegte Mindestalter für den Konsum als ausreichende Maßnahme. 

Für Ketchum Austria-Chefin Saskia Wallner steht die Kommunikation an erster Stelle: „Es geht darum, mit den Stakeholdern im Gespräch zu sein. Je mehr man die Diskussion zulässt, desto weniger braucht man ein Verbot bzw. desto eher wird eine Regulierung herauskommen, mit der man umgehen kann. Denn durchs Reden kommen die Leute zusammen.“ 

Selbstregulierung durch den Werberat
Wallner verweist auf den Österreichischen Werberat als funktionierendes Instrument der Selbstregulierung. Deren Präsident Michael Straberger, Teilnehmer der Veranstaltung, bestätigte:  “Mit dem österreichischen Werberat gibt es eine wirksame und schnelle Selbstregulatorik für die Branche und wir sind froh über die Partnerschaft mit einer lebendigen Medienvielfalt.“

Dies bekräftigte Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger: „Werbung ist wesentlicher Teil unseres Geschäftsmodells, ohne sie würden wir uns die Redaktionen nicht mehr leisten und unsere Rolle in der Demokratie nicht mehr ausüben können. Die Werbung ist ein wesentlicher Teil, damit wir am freien Markt überleben können.“

Werbeverbote gehen an der Zielsetzung vorbei
Einigkeit herrschte auch darüber, dass Reputationsverlust ein großer Schaden für jedes Unternehmen und jede Marke wäre. „Schönreden kann man sich heutzutage gar nicht mehr erlauben. Daher funktioniert die Selbstregulierung. Werbeverbote haben massive Auswirkungen auf unsere Branche und würden an der Zielsetzung vorbeigehen. Wichtiger ist es, die Aufklärung und den Dialog zu fördern“, so das Resümee von Fachgruppenobmann Jürgen Bauer. 

Auch diesmal waren wieder zahlreiche interessierte Branchenteilnehmer:innen der Einladung der Fachgruppe Werbung Wien gefolgt. Unter den Gästen befanden sich auch Gewinner und Nominierte des von der Fachgruppe ins Leben gerufenen Hidden Champions Award: der Vorjahressieger Gerald Wahl mit seiner Agentur brandzwo, Mario Kupcevsky vom heurigen Erstplatzierten reach guys und Feysulah Milenkovic, der zu den fünf Nominierten des diesjährigen Wettbewerbs zählt. 

Fotocredits: Leadersnet/R. Brunhölzl
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WKO Dunkel

Werbung Wien

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